Teil eines mit bunten Farben bedeckten Gesichts

Jenaer Erklärung

Das Konzept der Rasse ist das Ergebnis von Rassismus und nicht dessen Voraussetzung.
Teil eines mit bunten Farben bedeckten Gesichts
Foto: Rafinade - Fotolia

Anlässlich der 112. Jahrestagung der Deutschen Zoologischen Gesellschaft in Jena hat das Institut für Zoologie und Evolutionsforschung der Friedrich-Schiller-Universität Jena eine öffentliche Abendveranstaltung zum Thema „Jena, Haeckel und die Frage nach den Menschenrassen: wie Rassismus Rassen macht“ ausgerichtet. Die folgende, gemeinsame Erklärung soll darüber informieren.

Der Vorstand der Deutschen Zoologischen Gesellschaft und der Präsident der Friedrich-Schiller-Universität unterstützen die Autoren in dem Bestreben mit dieser Erklärung gegen scheinbar wissenschaftliche Rechtfertigungen für Rassismus vorzugehen.

Kernaussagen der Jenaer Erklärung (TL;DR)

Die Idee, dass Menschenrassen existieren würden, führte von Beginn an dazu, dass diese vermeintlichen Rassen bewertet wurden. Diese Bewertung ging der vermeintlichen wissenschaftlichen Untersuchung voraus und führte zu Verfolgung, Versklavung und Ermordung unzähliger Menschen. Auch heute wird im Zusammenhang mit menschlichen Gruppen noch der Begriff "Rassen" verwendet. Dafür gibt es jedoch keine biologische Begründung. Gerade weil Rassismus mit der Annahme von Menschenrassen verknüpft ist, ist es Aufgabe der Wissenschaft, die Frage nach der Existenz von menschlicher Rassen zu beantworten.

Unterscheidung rein willkürlich

Dem biologischen Systematiker Ernst Mayr zufolge waren Menschenrassen eine "biologische Tatsache". Die Begründung dafür war, dass "Menschenrassen" in vielen Kriterien den "geographischen Rassen" anderer Tierarten entsprächen. Damit ist der Begriff "Rasse" irgendwo zwischen den Begriffen der Population und der Art angesiedelt. Heute wird diese taxonomische Unterschiedlichkeit hauptsächlich aus einer genetischen Distanz bestimmt. Es wäre jedoch rein willkürlich, festzulegen, welche taxonomische oder genetische Verschiedenheit genau ausreicht, um Rassen oder Unterarten zu unterscheiden.

Eine solche Unterschiedung kann entlang geographischer Grenzen getroffen werden, aber die Entscheidung, wann eine Rasse oder Unterart vorliegt, bleibt willkürlich. Dies gilt umso mehr für den Menschen, dessen größte genetische Unterschiede innerhalb einer Population liegen und nicht zwischen den jeweiligen Populationen.

Rassen nur bei Haustieren

Rassen von Haustieren dagegen sind nicht geographisch gegliedert. Zudem sind Haustierrassen nicht durch natürliche biologische Prozesse entstanden, sondern sind das Ergebnis von menschlicher Züchtung. Nur bei Haustieren ist die genetische Ähnlichkeit innerhalb einer Rassen größer als zwischen den jeweiligen Rassen. Dieser Zusammenhang wird im Deutschen besser durch den Begriff der Züchtung ausgedrückt. Im Englischen wird hierfür der Begriff "breeds" anstelle von "race" benutzt.

Zwischen menschlichen Gruppen gibt es keine definieren Grenzen, sondern nur genetische Gradienten. Im menschlichen Genom gibt kein einziges Gen und kein einziges Basenpaar, das "Rassenunterschiede" begründen würde. Menschen anhand willkürlich gewählter Eigenschaften (wie Haar- und Hautfarbe) in Rassen einzuteilen, war und ist daher eine gesellschaftliche und politische Konstruktion.

Erscheinungsbild leicht wandelbar

Äußere Merkmale von Menschen sind eine oberflächliche und leicht wandelbare Anpassung an örtliche Gegebenheiten. Die Hautfarbe hat sich zum Beispiel im Lauf der menschlichen Migration je nach Sonneneinstrahlung und Ernährung immer wieder verändert. Auch die Verknüpfung von äußeren Merkmalen mit Eigenschaften oder Verhaltensweisen ist inzwischen eindeutig widerlegt.

Das Wort "Rasse" aus unserem Sprachgebrauch zu streichen, wird Intoleranz und Rassismus nicht verhindern. Rassistisches Denken wird heute mit Ersatzbegriffen wie "Selektion", "Reinhaltung" oder "Ethnopluralismus" aufrechterhalten. Hierbei werden im wesentlichen Ideen der Apartheid neuformuliert. Es ist an uns, dafür zu sorgen, dass nie wieder Menschen mit scheinbar biologischen Begründungen diskriminiert werdeen. Das Wort "Rasse" nicht mehr zu verwenden, sollte daher zur wissenschaftlichen Redlichkeit gehören.

Häufig gestellte Fragen

Wieso haben Menschen je nach Herkunft verschiedene körperliche Merkmale, wie Hautfarbe oder Gesichtszüge?

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In der Tierwelt gibt es Rassen. Wieso also nicht bei Menschen?

Tierrassen gibt es nur bei Haustieren.

In englischen Medien wird aber von "race" gesprochen!

Ja, aber der deutsche Begriff "Rasse" wird am ehesten mit "breed" (Züchtung) übersetzt.

Wieso spielt dann in der Medizin die Ethnie eine Rolle, etwa wenn es um Blutspenden oder Erkrankungen geht?

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Auch wenn der Begriff "Menschenrassen" nicht mehr verwendet wird, gibt es ja dennoch Rassismus.

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Ansprechpartner

Martin S. Fischer, Univ.-Prof. Dr.
Institut für Zoologie und Evolutionsforschung
Telefon
+49 3641 9-49141
Fax
+49 3641 9-49142
Erbertstraße 1
07743 Jena
Uwe Hoßfeld, apl. Prof. Dr.
Institut für Zoologie und Evolutionsforschung/AG Biologiedidaktik
Telefon
+49 3641 9-49491
Fax
+49 3641 9-49492
Stoy´sches Haus/Institutsgebäude/Bienenhaus, Raum 103
Am Steiger 3
07743 Jena
Johannes Krause, Prof. Dr.
Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte
Telefon
+49 3641 6-86610
Kahlaische Straße 10
07745 Jena
Stefan Richter, Prof. Dr.
Institut für Biowissenschaften, Universität Rostock
Universitätsplatz 3
18055 Rostock
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